Fachkräfte beraten Sportlerinnen zu Prothesen

Kuba Orthopädietechnik-Unternehmen engagiert sich für Know-how-Transfer

Lateinamerika
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Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung werden in Kuba nicht ausreichend mit Prothesen und Orthesen versorgt, weil qualifizierte Fachkräfte fehlen und die Werkstätten für Orthopädietechnik veraltet sind. Im Rahmen des develoPPP-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagierten sich Ottobock und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für die Verbesserung der orthopädietechnischen Ausbildung und Versorgung im Land. Das Medizintechnikunternehmen Ottobock unterhält seit 2014 Handelsbeziehungen zu Kuba und möchte seine Aktivitäten dort weiter ausbauen. Dabei setzt das Unternehmen auf ganzheitliche Versorgung: Seine innovativen Produkte sollen bei den Empfängern von qualifizierten Fachkräften angepasst werden.

In Kuba leben rund 16.000 Menschen mit Amputationen, zum Beispiel in Folge von Unfällen oder Diabetes, aber nur 3.000 sind aktuell mit Prothesen und Orthesen versorgt. Für technische Orthopädie ist die staatlich verwaltete Centro Nacional de Ortopedia Técnica (CNOT) zuständig, die landesweit rund 40 Versorgungseinrichtungen unterhält und etwa 450 Orthopädietechnikerinnen und -techniker beschäftigt. Diese sind in der Regel unzureichend ausgebildet und arbeiten meist in veralteten Werkstätten. Nachwuchskräfte im Land sind rar und wurden bislang meist lokal mit den vorhandenen Materialien und Methoden ausgebildet. Um die Versorgungsstandards zu verbessern, wollen die Projektpartner Fachkräfte qualifizieren und moderne Medizintechnik bereitstellen. Ottobock kann so eine fachgerechte, ganzheitliche Versorgung in Kuba anbieten und mehr Nachfrage nach den eigenen Produkten generieren. Da der Ansatz über den reinen Komponentenvertrieb hinaus geht, ist Ottobock in der Lage die eigene Marktposition nachhaltig zu stärken.

Um orthopädietechnische Fachkräfte nach den neuesten Standards auszubilden und CNOT-Werkstätten entsprechend auszustatten, setzten die Projektpartner im Rahmen des develoPPP-Projekts von 2016 bis 2018 mit rund 410.000 Euro Gesamtbudget unter anderem folgende Maßnahmen um:

  • 18-monatige Fortbildung in der Beinprothetik nach internationalen Standards (ISPO II) für vier Fachkräfte des CNOT an der Ottobock International O&P School in Duderstadt
  • Trainings zu Beinprothetik und Orthetik für 92 CNOT-Mitarbeiter*innen und Dozent*innen der Fakultät für Gesundheitstechnologie (FATESA) der Universidad Ciencias Médicas in Havanna
  • Etablierung der neuen Techniken als Bestandteil der Ausbildung in der Hauptwerkstatt des CNOT
  • Erstellung eines strategischen Modernisierungsplans für die landesweiten Werkstätten für Orthopädietechnik

Ottobock brachte im Rahmen des Projekts seine Expertise in Medizintechnik ein und förderte so den lokalen Know-how-Transfer. Die GIZ unterstützte dies finanziell.

Kuba ist für uns langfristig ein Land mit Potenzial. Hier können wir durch die Zusammenarbeit mit der GIZ einen neuen Markt in Lateinamerika für uns erschließen. Gleichzeitig verbessern wir gemeinsam die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen.
Marcelo Cuscuna, Regionalpräsident Lateinamerika Ottobock
Orthopädieexperte berät Paralympics Bronzemedaillengewinnerin
Ottobock und die kubanischen Orthopädieexpert*innen unterstützen kubanische Paralympics Bronzemedaillengewinnerin. Foto: Sven Creutzmann

Durch Ausbildung und Know-how-Transfer im Bereich Medizintechnik konnte die Gesundheitsversorgung deutlich verbessert werden. So hat die CNOT auf Basis der Erkenntnisse aus dem Projekt die technische Orthopädie weiterentwickelt. Mehr Prothesen und Orthesen konnten produziert und an die Patienten gebracht werden. Weil es gelang, mehr Fachkräfte im Orthopädiebereich auszubilden, ist Ottobock heute in der Lage, seine Medizintechnikprodukte stärker im Land einzusetzen.

  • 92 Orthopädietechniker*innen wurden weiterqualifiziert
  • Langfristiger Know-how-Transfer über die CNOT und die Universidad Ciencias Médicas
  • 30 Prozent Produktionssteigerung im Bereich Orthetik und Prothetik bei CNOT

Entwicklungserfolge

92 Orthopädietechniker*innen weiterqualifiziert

Medizintechnik Expertise fördert den lokalen Know-How-Transfer

Trainings zu Beinprothetik und Orthetik für lokale Expert*innen

Unternehmerische Erfolge

30 Prozent Produktionssteigerung im Bereich Orthetik und Prothetik bei CNOT

Markterschließung in Lateinamerika

Fachkräfteausbildung steigert Produkteinsatz im Land

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an mittelständische und große Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

Ottobock

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entwickelt Ottobock „wearable human bionics“ – medizintechnische Produkte in den Bereichen Prothetik, Orthetik und Human Mobility (Rollstühle). Zudem versorgt das 1919 gegründete Unternehmen PatientInnen im Bereich Patient Care. Das Ziel: Lebensqualität und gesundheitsökonomischen Nutzen steigern.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Als deutsches Bundesunternehmen ist die GIZ seit mehr als 50 Jahren in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und Bildungsarbeit aktiv. Sie begleitet die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung und entwickelt mit Unternehmen Strategien für nachhaltiges Wirtschaften

Dr. Berit Hamer Ottobock SE & Co. KGaA
Raphaela Zieger Projektmanagerin develoPPP Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH