Bewässerungsanlage auf Feld

Schwerpunktthema: Nachhaltige Agrarwirtschaft und ErnährungssicherheitLebensmittel nachhaltig erzeugen. Ernährung dauerhaft sichern.

Klimawandel und Umweltzerstörung haben schon jetzt dramatische Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion – und das weltweit. Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft stehen vor der Herausforderung, ihre Lieferketten zu stabilisieren und gleichzeitig dem wachsenden Wunsch ihrer Kundinnen und Kunden nach sozial fair und ökologisch nachhaltig hergestellten Lebensmitteln gerecht zu werden. Entwicklungs- und Schwellenländer betrifft dies in doppeltem Sinn: Landwirtschaftliche Erträge, Prozess-Know-how und Verarbeitungstiefe sind hier oftmals geringer und das Einkommen von deutlich mehr Menschen hängt unmittelbar vom Agrarsektor ab. Eine Steigerung von Effizienz, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie Klimaresilienz ist in diesen Ländern also besonders drängend.

Vor diesem Hintergrund fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gezielt Unternehmensinitiativen, die messbar zu einer nachhaltigen Transformation des Agrarsektors in Entwicklungs- und Schwellenländern und damit zu einer sicheren und nachhaltigen Lebensmittelversorgung weltweit beitragen.

Weltweit
330
Projekte
Mehr als
73
Projektländer
319
Mio. Euro
Projektvolumen – davon 45 Prozent öffentlicher Förderanteil
Basis: develoPPP-Projekte mit Bezug zum Thema Ernährungssicherung im Zeitraum 01/2016 - 01/2022

Der nachhaltige Umbau der Nahrungsmittelproduktion und die Stabilisierung lokaler wie globaler Agrarlieferketten ist eine dringende und komplexe Aufgabe. Unternehmen aus dem Agrar- und Lebensmittelsektor können hierzu an unterschiedlichen Punkten ansetzen.

  • Nachhaltige Ertragssteigerung
    Die landwirtschaftlichen Erträge liegen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern deutlich unterhalb derer in anderen Regionen der Welt. Die Folge sind niedrige Einkommen für Bäuerinnen und Bauern sowie Güterknappheit und schwankende Qualität im Binnen- wie auf dem Exportmarkt. Ernährungsunsicherheit und Umweltzerstörung, z.B. durch unkontrollierte Flächenausweitung, sind weitere, schwerwiegende Auswirkungen. Über develoPPP geförderte Projekte setzen hier beispielsweise durch Schulungen in effizienten Anbaumethoden, die Vermeidung von Nachernteverlusten oder die Unterstützung beim Aufbau stabiler Beziehungen zwischen Produzent*innen und abnehmenden Unternehmen an.
  • Klimaresilienz und Umweltschutz
    Mangelndes Wissen über nachhaltige Anbaumethoden, wie z.B. ressourcensparende Bewässerung oder diversifizierten Anbau, führen nicht nur zu geringen Ernteerträgen. Sie stellen darüber hinaus auch eine erhebliche Gefahr für das Ökosystem dar – lokal wie global. Der fortschreitende Klimawandel verschärft diese Probleme und erzwingt eine kurzfristige Anpassung an neue Wetter- und Anbaubedingungen. Förderfähige develoPPP-Vorhaben unterstützen hier beispielsweise durch die Pilotierung moderner Technologien, aber auch durch Schulungen, etwa zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit oder der nachhaltigen Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen.
  • Internationale Standards und Zertifizierungen
    Weltweit steigt die Nachfrage nach hochwertigen, zertifizierten Lebensmitteln. Für Produzierende aus Entwicklungs- und Schwellenländern stellt die Einhaltung internationaler Standards, beispielsweise für Lebensmittelsicherheit, Pflanzengesundheit oder Arbeitssicherheit, allerdings oftmals eine erhebliche Export- und Vermarktungshürde dar. Importeure wiederum haben Schwierigkeiten, die wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und nachhaltig hergestellten Produkten zu bedienen. Die Beratung zum Qualitätsmanagement vor Ort oder die Vorbereitung von Zertifizierungen und Maßnahmen zur Einhaltung internationaler Standards sind Ansätze, die im Rahmen von develoPPP-Projekten verfolgt werden.
  • Digitale Innovation
    Die Digitalisierung von Prozessen im Agrarsektor bietet erhebliches betriebswirtschaftliches und entwicklungspolitisches Potenzial. So können digitale Lösungen beispielsweise die Nachverfolgbarkeit von Produkten und so die Transparenz und Nachprüfbarkeit in der Lieferkette verbessern. Aber auch der Einsatz von Saatgut und Düngemitteln kann digital optimiert, der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen und die Direktvermarktung an lokale Abnehmer*innen organisiert werden. Über develoPPP geförderte Digitalprojekte im Agrarsektor setzen an vielen genau dieser Punkte an.
Mann steht in einem Feld (Nigeria)

WESTAFRIKA: Schulungen zum effizienten Einsatz von Düngemittel

Die Landwirtschaft einiger westafrikanischer Staaten bleibt u.a aufgrund fehlenden Wissens über moderne landwirtschaftliche Methoden unter ihren Möglichkeiten. Der Düngemittelhersteller Indorama Eleme Fertilizer & Chemicals Limited (IFL) hat daher in Zusammenarbeit mit der DEG Impulse gGmbH ein Programm zum Wissensaufbau für Landwirtinnen und Landwirte in Mali, Nigeria und im Senegal entwickelt. Es umfasste Schulungen und Beratung u.a. zum sachgerechten Umgang mit Düngemitteln, den Aufbau von Muster-Farmen sowie die kostenfreie Auswertung von Bodenproben. Viele der über 250.000 geschulten Bäuerinnen und Bauern konnten ihre Erträge steigern während IFL von einer verstärkten Nachfrage nach Düngemitteln profitiert.

 

Personen arbeiten an einem Kanal (Peru)

PERU: Sichere Wasserversorgung durch traditionelle Wasserauffangsysteme

Intensive Nutzung und die Auswirkungen des Klimawandels setzen die knappen Wasserressourcen der Metropolregion Lima unter Druck. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts wollen der peruanische Getränkehersteller Union de Cervecerías Peruanas Backus y Johnston S.A.A. (“Backus”) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mithilfe traditioneller Wasserauffangsysteme im Hochland von Lima Abhilfe leisten. Während der Regenzeit sollen jedes Jahr bis zu 3,25 Millionen Kubikmeter zusätzliches Wasser gespeichert und dadurch die Wasserversorgung in der Region verbessert werden, was sowohl den dort ansässigen Menschen als auch Backus und anderen Unternehmen mit hohem Wasserbedarf zugutekommt.

 

Sack mit Mais (Burkina Faso)

BURKINA FASO: Lokale Wertschöpfungskette für Mais fördern

Mais gehört zu den wichtigsten Getreideerzeugnissen in Burkina Faso. Das Unternehmen ADS Burkina und die DEG Impulse gGmbH wollen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei unterstützen, ihre Produktivität und Einnahmen signifikant zu steigern. Dazu vermittelt ADS Wissen zu effizienteren Produktionsweisen, vergibt Kredite an bis zu 4.500 Landwirtinnen und Landwirte und verkauft Saatgut, Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Die Produzent*innen profitieren von höheren Produktionsmengen, die helfen, den lokalen Eigenbedarf zu decken, und davon, dass ADS ihnen 70 Prozent der Ernte zu stabilen Preisen über Marktniveau abnimmt.

Macadamianüsse in Händen (Ruanda)

RUANDA: Beschäftigungsperspektiven in ruandischer Macadamianuss-Produktion

Die Handelsunternehmen Glaskiste GmbH und fairfood Freiburg GmbH schaffen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Beschäftigungsperspektiven in der Wertschöpfungskette für Macadamianüsse in Ruanda. Gefördert wird eine Verarbeitungsanlage des Unternehmens GorillaNuts, welches über 150 Landwirt*innen die Abnahme ihrer Ernte garantiert. Auch werden die Produzent*innen zu biologischen Anbaumethoden weitergebildet und in die Erarbeitung einer Biozertifizierung miteinbezogen. Um den Marktanteil ruandischer Bio-Macadamianüsse im deutschen Einzelhandel zu stärken und so die Beschäftigung in Ruanda zu fördern, werden die Nüsse in den Unverpackt-Läden von Glaskiste verkauft.

Zwei Personen halten einen Sack mit Ananas (Nigeria)

NIGERIA: Günstigere Lebensmittelpreise und höhere Absätze durch E-Commerce

Bevölkerungswachstum und Urbanisierung setzen die landwirtschaftlichen Kapazitäten Nigerias zunehmend unter Druck, was u.a. zu erhöhten Lebensmittelpreisen führt. In Kooperation mit der DEG Impulse gGmbH wirkt die E-Commerce-Plattform PricePally dieser Entwicklung entgegen, indem sie Agrarprodukte auf Basis einer prognostizierten Nachfrage einkauft und zu moderaten Preisen weiterverkauft. Abnehmer*innen sparen so bis zu 25 Prozent gegenüber dem Marktpreis, während lokale Erzeuger*innen Zugang zu urbanen Märkten erhalten. Mithilfe einer develoPPP Ventures Förderung konnte PricePally den Service ausbauen und ein Trainingsprogramm für Hochschulabsolvent*innen finanzieren.

Frau arbeitet an einem Webstuhl

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an mittelständische und große Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

Junge Menschen diskutieren während einer Unternehmensbesprechung

develoPPP Ventures

develoPPP Ventures richtet sich an junge Unternehmen, die bereits mit einem innovativen Geschäftsmodell in einem Entwicklungs- oder Schwellenland aktiv sind und bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen. Im Rahmen eines Matching-Funds Modells ist eine öffentliche Wachstumsinvestition von 100.000 Euro möglich.

Carolin Welzel
Carolin Welzel Senior Beraterin Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
Hans-Joachim Hebgen
Hans-Joachim Hebgen Senior Berater Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
Daniel Thomann
Daniel Thomann Programmkoordinator DEG Impulse gGmbH
Kathinka Kurz
Kathinka Kurz Programmkoordinatorin Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH