Ägypten / Indien / Kolumbien / Mexiko Tee, Kaffee, Gewürze: Bioproduzent engagiert sich für nachhaltige Lieferketten

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Lieferketten zum Wohl von Mensch und Natur auszurichten, ist eine der zentralen Aufgaben, die Unternehmen bewältigen müssen, um das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich anzugehen. Die Ulrich Walter GmbH, die unter der Marke „Lebensbaum“ Tee, Kaffee und Gewürze in Bioqualität produziert, setzt sich für ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement bei ihren Anbaupartnern ein. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbh gelang es, bei vier wesentlichen Lieferanten des Unternehmens die Produktivität zu stärken und die Lebensbedingungen der Mitarbeitenden zu verbessern. Das Projekt wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten develoPPP-Programms umgesetzt.

Die Ansprüche an Nachhaltigkeit bei Abnehmern steigen, jedoch besteht in vielen Teilen der Welt ein erhöhtes Risiko für die Verletzung von Umwelt- und Sozialstandards – auch im Bio-Agrarsektor. Unzureichende Arbeitsbedingungen vor Ort führen vielfach zu hoher Fluktuation und einer geringen Bindung der Mitarbeitenden an die Lieferanten. Zudem stellen eine ressourceneffiziente Erzeugung von Rohwaren und ein wirkungsvolles Bodenmanagement zunehmende Herausforderungen dar. Ein sorgfältiges Nachhaltigkeitsmanagement entlang der Lieferkette ist daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch im Interesse von Bioproduzenten wie Lebensbaum und rechnet sich für die Unternehmen langfristig. Sie profitieren durch Maßnahmen zur Bodenverbesserung von mehr Verlässlichkeit und letztlich einer höheren Produktqualität. Höhere Sozialstandards führen zu mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden und stabilisieren die Zusammenarbeit zwischen Anbaupartnern und Abnehmern langfristig.

Das develoPPP-Projekt mit einem Gesamtbudget von rund 330.000 Euro hatte die (Weiter-)Entwicklung eines transparenten und effektiven Nachhaltigkeitsmanagements entlang der Wertschöpfungskette als Ziel. Dazu wurden zwischen 2016 und 2019 gemeinsam mit lokalen Produzenten für Tee (Ambootia, Indien), Kaffee (Finca Irlanda, Mexiko; Hacienda Cincinnati, Kolumbien) und Gewürze (Sekem, Ägypten) je nach Ausgangslage differenzierte Maßnahmen umgesetzt, u.a.:

  • Vorort-Besuche bei Lieferanten und Erfahrungsaustausch mit diesen.
  • Verbesserung der Landwirtschaftspraktiken, unter anderem Kompostierung, Bodenmanagement, Krankheits- und Schädlingsbekämpfung in Indien, Mexiko und Kolumbien.
  • IT-basiertes Risiko-Scoring-System zur Anbaukontrolle (Ägypten).
  • Sozialprogramme zur Mitarbeiterbindung (Kolumbien) und zur Gesundheitsförderung (Indien).
  • Einrichtung eines Schulungszentrums zum Bodenaufbau (Indien).

Die Ulrich Walter GmbH und der Projektpartner Soil & More Impacts brachten als Berater ihre Expertise zu nachhaltigen Lieferketten in der Landwirtschaft ein. Die DEG finanzierte die Maßnahme aus develoPPP-Mitteln.

Die Etablierung von Umwelt- und Sozialstandards in der gesamten Lieferkette stärkt nicht nur die Beziehungen zu Lieferanten, sondern sichert auch die Qualität unserer Produkte.
Henning Osmers-Rentzsch, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Ulrich Walter GmbH
Fußballplatz auf der Hacienda Cincinnata in Kolumbien
Auf der Hacienda Cincinnata in Kolumbien wurden verschiedene Möglichkeit zur Freizeitgestaltung für Mitarbeitende geschaffen. Foto: Lebensbaum
Kompostierung von beim Teeanbau in Indien
Im Rahmen der Verbesserung der Landwirtschaftspraktiken, wurde unter anderem Kompostierung von Assam in Indien eingeführt. Foto: Lebensbaum

Je nach Bedarf der Anbaupartner wurden Maßnahmen zum Nachhaltigkeitsmanagement neu entwickelt oder weiter verbessert. So führten optimierte Landwirtschaftspraktiken zur Verbesserung des Bodens und sicherten Qualitätsstandards (Indien, Kolumbien, Mexiko). Beim erfahrenen Gewürzproduzenten Sekem (Ägypten) wurde ein IT-basiertes Risiko-Scoring System zur Anbaukontrolle evaluiert und getestet. Sozialmaßnahmen wie Kultur- und Sportangebote (Kolumbien) oder zum Gesundheitsschutz (Indien) führten zu geringerer Mitarbeiterfluktuation und niedrigeren Fehlzeiten. Insgesamt stärkten die Maßnahmen die Produktivität vor Ort und die langfristigen Handelsbeziehungen mit den Anbaupartnern.

  • Schulungszentrum aufgebaut für biologisch-dynamische Landwirtschaft bei Ambootia, Indien
  • Tracing-Tool eingeführt für Transparenz und Nachverfolgung bei SEKEM, Ägypten

Entwicklungserfolge

Verbesserung der Landwirtschaftspraktiken (v.a. Bodenmanagement und CO2-Bindung im Boden)

Verbesserter Gesundheitsschutz

geringere Fluktuation durch Mitarbeiterbindung (Gemeinschaftseinrichtungen, Freizeitmöglichkeiten)

Unternehmerische Erfolge

Reduzierung von wirtschaftlichen Risiken

Intensivierung der Partnerschaften mit den Lieferanten

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an mittelständische und große Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

Ulrich Walter GmbH (Lebensbaum)

Die Ulrich Walter GmbH (Lebensbaum) hat sich auf die Herstellung von Tee, Kaffee und Gewürzen in Bioqualität spezialisiert. Das mittelständische Unternehmen bezieht seine Rohstoffe direkt von seinen Anbaupartnern und wurde 2015 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Die KFW-Tochter ist Spezialistin für aufwendige Finanzierung in Entwicklungs- und Schwellenländern mit umfassendem Know-how in langfristige Investitionen. Die DEG fördert und begleitet Unternehmen der verarbeitenden Industrie, der Agrarwirtschaft, aus dem Infrastruktur- und dem Finanzsektor.

Henning Osmers-Rentzsch Nachhaltigkeitsbeauftragter Ulrich Walter GmbH
Claudia Makowski Senior Investment Manager, develoPPP Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH