Kenia Sozialunternehmen baut Mini-Stromnetze im Westen Kenias

Afrika (Subsahara)
DEG
Ventures

Viele ländliche Regionen Kenias sind nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen und die dortige Bevölkerung konnte bislang nur nicht-nachhaltige Energiequellen wie Kerosin, Feuerholz oder Holzkohle nutzen. Das portugiesische Sozialunternehmen RVE.SOL erkannte in erneuerbaren Energien eine zukunftsfähige Lösung und gleichzeitig ein großes wirtschaftliches Potenzial. Es installiert in einigen Dörfern in West-Kenia Mininetz-Lösungen, die unabhängig vom nationalen Stromnetz saubere Energie produzieren. Das flexible und individuell anpassbare grüne Mininetz bereitet zudem sauberes Trinkwasser auf. RVE.SOL wollte dieses Geschäftsmodell skalieren und innerhalb weniger Jahre 50.000 Haushalte und Unternehmen mit Strom und sauberem Trinkwasser versorgen. Das Investitionsvorhaben wurde von der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbh im Rahmen der Start-up-Förderung develoPPP Ventures im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 100.000 Euro kofinanziert.

Der Bedarf an sauberer, kostengünstiger und zuverlässiger Energie ist in den ländlichen Regionen Kenias wie in vielen anderen Ländern groß. Der nationale Netzausbau in Kenia geht dabei nur langsam voran und ist sehr kostenintensiv. Somit ist das Interesse an lokalen und bezahlbaren Lösungen zur Stromversorgung groß. Grüne Mininetze bieten hier nachhaltige und leicht umsetzbare Lösungen. Gleichzeitig stellen die Installation der Photovoltaik-Anlagen und weiterer Ergänzungskomponenten wie Trinkwasseraufbereitung und Biogasanlagen ein zukunftsorientiertes Geschäftsfeld dar.

Auch die kenianische Regierung sieht in den Mininetzen eine kostengünstige und effiziente Möglichkeit, abgelegene ländliche Gebiete mit Strom zu versorgen. Zudem hat sie sich verpflichtet, den Zugang der Bevölkerung zu sauberem Wasser zu verbessern.

RVE. SOL installierte 2011 ein Pilot-Mininetz im Westen Kenias und hat es seitdem auf andere Gemeinden ausgeweitet, um über 3.500 Haushalte mit Strom und Trinkwasser zu versorgen. Für das Upscaling dieses Erfolgsmodells, zunächst in Kenia und dann in ganz Ostafrika, gründete RVE.SOL die KUDURA Power East Africa Ltd. Ziel war es, der führende Entwickler und Betreiber von grünen Mininetzen zu werden. Daraufhin investierte InfraCo Africa in das Unternehmen, um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren.

Das KUDURA-System ist in einem sicheren und wetterbeständigen Container untergebracht und beinhaltet neben der primär durch Solartechnologie sichergestellten Stromversorgung auch eine Trinkwasseraufbereitung. Das Trinkwasser wird aus örtlichen Quellen gewonnen und durch Ultrafiltration gereinigt. Zudem kann die Anlage Kuhmist in Biogas verwandeln und den Menschen damit eine saubere Alternative zum Kochen mit Feuerholz oder Holzkohle bieten. Ein zentrales Remote-System überwacht und steuert die gesamte Anlage. RVE.SOL‘s eigenes Smart-Meter-System (kPOWER) verwaltet alle Daten und bietet diverse mobile Zahlungsmöglichkeiten an.

KUDURA bedeutet auf Swahili ‚Kraft zur Veränderung‘. Wir wollen mit bezahlbarer und klimafreundlicher Energie und sauberem Trinkwasser den Menschen in ländlichen Regionen neue Perspektiven eröffnen und setzen dafür auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell und lokal angepasste technische Lösungen.
Vivian Vendeirinho, CEO KUDURA
Mann holt lachend ein Soda-Getränk aus einem Kühlschrank
Der Anschluss der Haushalte an die Mini-Stromnetze ermöglicht auch das Kühlen von Lebensmitteln und Getränken. Foto: Kudura Power East Africa (KPEA)
Straßenlaterne erhellt die dunklen Straßen bei Nacht
Die gewonnene Energie wird auch zur Straßenbeleuchtung genutzt. Foto: Kudura Power East Africa (KPEA)

Trotz der Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie entwickelte sich KUDURA in den vergangenen Jahren zu einem der größten privaten Mininetz-Entwickler Kenias. Das Unternehmen gewann neue Investoren und Partner für die Installation weiterer Mininetze und schloss über 3.500 Haushalte und 10.000 Begünstigte an seine lokalen Stromnetze an. Das KUDURA-System ist einfach zu installieren und zu warten und soll für mindestens 20 Jahre nutzbar sein.

Die grüne Stromversorgung und der Verzicht auf teures Kerosin oder Diesel bieten der Bevölkerung neue nachhaltige Entwicklungsperspektiven und die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser verbessert ihre Gesundheit. So gehen wirtschaftlicher Gewinn für das Unternehmen, Klima- und Umweltschutz und verbesserte Lebensbedingungen der Bevölkerung Hand in Hand.

ENTWICKLUNGSERFOLGE

4.000 Haushalte wurden bereits an ein Mini-Stromnetz angeschlossen

47 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen

Die Nutzung erneuerbarer Energien hat 33 Tonnen CO2 eingespart

UNTERNEHMERISCHE ERFOLGE

KUDURA ist zu einem der größten privaten Mininetz-Entwickler Kenias geworden

KUDURA kann dank neuer Investoren und Partner weitere Mininetze aufbauen

develoPPP Ventures

develoPPP Ventures richtet sich an junge Unternehmen, die bereits mit einem innovativen Geschäftsmodell in einem Entwicklungs- oder Schwellenland aktiv sind und nun den nächsten Schritt gehen wollen. Im Rahmen eines Matching-Funds Modells ist eine öffentliche Wachstumsinvestition von bis zu 100.000 Euro möglich.

KUDURA Power East Africa

KUDURA ist eine hundertprozentige Tochter von RVE.SOL (Rural Village Energy Solutions), einem portugiesischen Sozialunternehmen. RVE.SOL entwickelt und betreibt grüne Mininetze in Kenia, Mosambik und Madagaskar.

DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Die KFW-Tochter ist Spezialistin für aufwendige Finanzierung in Entwicklungs- und Schwellenländern mit umfassendem Know-how in langfristige Investitionen. Die DEG fördert und begleitet Unternehmen der verarbeitenden Industrie, der Agrarwirtschaft, aus dem Infrastruktur- und dem Finanzsektor.

Vivian Vendeirinho CEO KUDURA Power East Africa
Dr. Lars Oehler Projektmanager develoPPP Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH