Indien Tech-Unternehmen aus Mannheim entwickelt Zero-Waste-Alternativen zu Einwegplastik

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Das Start-up FRENVI mit Sitz in Mannheim will der globalen Plastikverschmutzung mit verzehr- und kompostierbarem Besteck entgegenwirken und damit neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Gegründet an der SRH Hochschule Heidelberg und gefördert durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) schafft FRENVI eine nachhaltige Alternative zu Einwegbesteck. Der Handlungsbedarf ist groß, besonders in Ländern wie Indien, einem der weltweit größten Verursacher von Plastikmüll – vor allem durch den massenhaften Einsatz von Einwegverpackungen und -besteck. Innovative Bestecklösungen wie die von FRENVI sind hier von zentraler Bedeutung, um der zunehmenden Umweltbelastung wirkungsvoll zu begegnen. Im Rahmen des develoPPP Ventures-Programms errichtete FRENVI eine Pilotproduktionsanlage in Bangalore, die seit 2022 täglich 180.000 Besteckteile herstellt und so in 2024 rund 1.150 Tonnen Plastik einsparte. Durch die lokale Produktion in Indien schafft das Unternehmen zudem Arbeitsplätze und stärkt die Wertschöpfungskette für regionale Kleinbauer*innen, die die benötigten Rohstoffe liefern und so ein stabiles Einkommen erwirtschaften. Dank der Kofinanzierung des develoPPP Programms konnte FRENVI seine Innovation am Markt etablieren, Investoren gewinnen und die indische Gastronomie nachhaltiger gestalten.

Plastikverschmutzung ist ein globales Problem. Einwegplastik ist weit verbreitet, oft fehlen nachhaltige Alternativen. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen wächst – auch von internationalen Unternehmen, die ihre Lieferketten nachhaltiger gestalten wollen. Hier setzt das deutsch-indische Start-up FRENVI aus Mannheim an. Es kombiniert Innovation mit Umweltbewusstsein und entwickelt verzehr- und kompostierbares Besteck aus rein natürlichen Zutaten wie Getreide oder Hülsenfrüchten. Indien wurde als erster Produktionsstandort gewählt. Hier besteht nicht nur ein großer Markt für nachhaltige Lösungen. Zudem kann hier Plastikmüll in erheblichem Ausmaß vermieden werden. Indien produziert jährlich rund 9,5 Millionen Tonnen Plastikmüll, 43 Prozent davon ist Verpackungsmüll, meist Einwegplastik. 40 Prozent des Plastikmülls wird nicht sachgemäß entsorgt. Diese Abfälle belasten die Umwelt enorm. Ein bedeutender Verursacher von Plastikmüll ist die Gastronomiebranche, die oft auf nicht-recycelbares Besteck zurückgreift. FRENVI begegnet dieser Herausforderung mit einem innovativen Ansatz: Das Unternehmen hat ein patentiertes Produktionsverfahren entwickelt, um vollständig biologisch abbaubares Besteck herzustellen und damit Plastikmüll in der Gastronomie zu reduzieren.

Mithilfe der Start-up-Förderung des Programms develoPPP durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Höhe von 200.000 Euro konnte FRENVI eine Pilotproduktionsanlage im indischen Bangalore errichten, Maschinen anschaffen und die Halleninfrastruktur ausbauen. Die Kombination aus privaten Mitteln und öffentlicher Förderung diente dabei als entscheidendes Sprungbrett zur Weiterentwicklung der eigenen Technologie. Indien erwies sich als kosteneffizienter Standort für die Erprobung und Optimierung der Produktionsprozesse. So gelang es FRENVI, die tägliche Herstellung von rund 180.000 essbaren Besteckteilen aus Getreide und Hülsenfrüchten aufzubauen, mit einer messbaren Wirkung: Im Jahr 2024 konnten dadurch etwa 1.150 Tonnen Einwegplastik eingespart werden.

Parallel zur Skalierung der Produktion ermöglichte die Förderung durch develoPPP Ventures auch technologische Fortschritte: Der patentierte Herstellungsprozess „Continuous Thermo Compression 3D Forming“ (CTC3DF) wurde weiterentwickelt, um faserbasierte Materialien noch ressourcenschonender und wirtschaftlicher in die biobasierte Kreislaufwirtschaft zu integrieren. Darüber hinaus nutzte FRENVI die Pilotphase in Indien, um lokale Lieferketten aufzubauen, neue Vertriebspartner*innen zu gewinnen und die wirtschaftliche Situation in ländlichen Regionen gezielt zu stärken. Durch die Einbindung von Kleinbäuer*innen in die Rohstoffproduktion entstanden neue Einkommensquellen und langfristige Perspektiven vor Ort.

Die develoPPP-Förderung wirkte sich vertrauensbildend auf externe Investor*innen aus, da sie das internationale Marktpotenzial der Innovation unterstreicht. Die erfolgreiche Pilotierung in Indien legt nun den Grundstein für die Ausweitung der Produktionsprozesse nach Deutschland. FRENVI positioniert sich damit strategisch für den Eintritt in neue Märkte, baut seine Absatzmärkte aus und stärkt zugleich seine Marktführerposition im Greentech-Sektor.

Die Förderung durch develoPPP hat uns den entscheidenden Schub gegeben, um unsere Technologie vom Konzept in die Realität zu überführen. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, unseren Produktionsprozess in Indien zu testen und weiterzuentwickeln. Jetzt können wir den nächsten Schritt gehen und unsere Produktion in Deutschland in größerem Maßstab aufbauen.
Stefan Beyerle, COO, FRENVI
Die beiden Gründer des GreenTech-Start-ups Frenvi GmbH
Die beiden Gründer des GreenTech-Start-ups Frenvi GmbH, Abhi und Phani. Foto: (c) FRENVI
Produktionshalle für essbare Besteckteile und Mitarbeitende in Bangalore, Indien
Die Pilotanlage in Bangalore, Indien, produziert täglich rund 180.000 essbare Besteckteile aus Getreide und Hülsenfrüchten. Foto: (c) FRENVI

Mit dem Projekt ist es FRENVI gelungen, Einwegplastik im großen Stil zu ersetzen, Arbeitsplätze zu schaffen und die indische Gastronomie nachhaltiger zu gestalten. Mit Unterstützung von develoPPP Ventures und DEG Impulse konnte FRENVI weitere Investoren gewinnen und das Wachstum des Unternehmens beschleunigen.

  • 20 Millionen Einwegbestecke ersetzt, 201 Tonnen Plastik eingespart, 144 Tonnen CO₂-Emissionen und über 10 Millionen Liter Wasser eingespart.
  • 22 neue Arbeitsplätze geschaffen, insgesamt profitieren 66 Mitarbeitende von verbesserten Arbeitsbedingungen durch FRENVI.
  • 300 Bäuer*innen erfolgreich in die Lieferkette integriert und ihnen ein stabiles, faires Einkommen ermöglicht, das die Lebensqualität ihrer Familien nachhaltig verbessert.

ENTWICKLUNGSERFOLGE

Fachkräfte

35 neue Arbeitsplätze und verbesserte Arbeitsbedingungen für 66 Mitarbeitende

Drei Bäume

20 Mio. Einwegbestecke ersetzt, 201 t Plastik,      144 t CO₂-Emissionen und über 10 Mio. Liter Wasser eingespart

Fabrik, Menschen und LKW im Kreis

300 Bäuer*innen erfolgreich in die Lieferkette integriert

UNTERNEHMERISCHE ERFOLGE

Pfeil nach oben

Skalierung der Produktion und Erschließung neuer Märkte dank Pilotproduktionsanlage 

Kreise mit Strichen

Ausbau der Produktion ließ Investoren gewinnen und beschleunigte das Unternehmenswachstum

develoPPP Ventures

develoPPP Ventures richtet sich an junge Unternehmen mit innovativem Geschäftsmodell, die in einem globalen Zukunftsmarkt aktiv sind und den nächsten Schritt gehen wollen. Im Rahmen eines Matching-Funds Modells ist eine öffentliche Wachstumsinvestition von 100.000 Euro möglich.

Logo Frenvi GmbH

FRENVI GmbH

FRENVI GmbH ist ein Greentech-Startup mit Produktions- und Forschungsstandorten in Rhein-Neckar-Kreis und Bangalore, Indien. Seine Schwerpunkte sind u.a. Upcycling und Reintegration von biobasierten Reststoffen aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Seit 2019 verfolgt die FRENVI GmbH einen „Waste-to-Value“-Ansatz, der Sekundär- in Wertstoffe transformiert. 

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DEG Impulse gGmbH

Als Tochtergesellschaft der DEG fördert die DEG Impulse die soziale und ökologische Transformation der Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie unterstützt Partnerunternehmen durch Finanzierungsexpertise und unternehmerisches Know-how dabei, wirkungsvolle develoPPP-Projekte eigenverantwortlich vor Ort umzusetzen.

Julia Stausberg-Umuerri
Julia Stausberg-Umuerri Projektmanagerin develoPPP DEG Impulse gGmbH