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Fruchtig-nussig mit leicht erdiger und blumiger Note und in besonderer Weise aromatisch schmeckt die seltene Edelkakaosorte Arriba Nacional. Sie kommt ursprünglich aus Ecuador. Dort ist sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und die Lebensgrundlage vieler Familien. Die Schweizer Schokoladenproduzentin HALBA verarbeitet Arriba Nacional zu feinen Schokoladenprodukten, die sie weltweit über ihre Kunden vertreibt.

Die Kakaopflanze der Sorte Arriba Nacional ist allerdings sensibel und ihr Anbau herausfordernd. Viele Bäuer*innen bauen sie deshalb gar nicht erst an, sondern bevorzugen widerstandsfähigere Kakaosorten. In der Folge steht HALBA weniger Edelkakao für ihre Produktion zur Verfügung. Gemeinsam mit den Projektpartnern Coop und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt HALBA deshalb die ecuadorianische Kleinbäuer*innenorganisation UNOCACE dabei, Edelkakao unter idealen Bedingungen anzubauen: in Mischkultur aus Bäumen und weiteren Nutzpflanzen. Diese Anbauform schützt Böden und bringt weitere Ernteerträge durch andere Nutzpflanzen. Die Kleinbäuer*innen haben so die Chance auf ein zusätzliches Einkommen und sichern die Ernährung ihrer Familien.

Das Projekt wurde im Rahmen des Förderprogramms develoPPP vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Ecuador produziert zwar nur zehn Prozent der gesamten weltweiten Kakaomenge, jedoch stammen 60 Prozent der seltenen Kakaosorte Arriba Nacional von hier. HALBA möchte die Produktion dieser ecuadorianischen Edelkakaobohne für ihre Schokoladenprodukte sichern und steigern. Denn die Schokolade aus Arriba Nacional ist in Europa wegen ihrer besonderen Geschmacksnuancen beliebt.

Allerdings ist der Anbau der Kakaopflanze schwierig, denn sie benötigt viel Schatten und nährstoffreiche Böden. Immer mehr ecuadorianische Bäuer*innen wählen deshalb robustere Sorten, sogenannten Hochertragskakao. Diese Pflanzen bauen sie in Monokultur oft großflächig an und roden dafür Gebiete im Tropenwald. Ihre Hoffnung: Je mehr Kakaopflanzen, desto höher die Erträge. Die Realität sieht jedoch anders aus. Der einseitige Anbau laugt die Böden aus und macht sie unfruchtbar. Ohne den Schatten von Bäumen oder anderen höheren Pflanzen vertrocknen die Kakaopflanzen schneller oder werden anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall. Die Pestizide und Kunstdünger, die die Bäuer*innen dagegen einsetzen, schaden den Böden zusätzlich, und belasten die Produzent*innen gesundheitlich und finanziell. Nicht zuletzt gefährden die Waldrodungen den Lebensraum von Tieren und Pflanzen in einem der artenreichsten Länder der Welt.

HALBA möchte gemeinsam mit ihren Projektpartnern Coop und der GIZ die Kakaosorte Arriba Nacional für ihre Schokoladenproduktion erhalten, die artenreiche Natur Ecuadors schützen und den Lebensunterhalt der Bäuer*innen verbessern. Dafür unterstützen die Projektpartner ecuadorianische Bäuer*innen der Produzentenorganisation UNOCACE in mehreren Provinzen Ecuadors beim gemischten Anbau von Kakao, Fruchtbäumen und Edelhölzern – auch Dynamische Agroforstwirtschaft (DAF) genannt.

In einer solchen Mischkultur wächst die Arriba Nacional-Pflanze unter ähnlichen Bedingungen wie in ihrer natürlichen Umgebung im tropischen Regenwald: umgeben von anderen Pflanzen, am Boden etwa Maniokwurzeln, Mais oder Bohnen. Über die Kakaobäume ragen schattenspendende Fruchtbäume wie zum Beispiel Bananen, Orangen, Mangos und Avocado sowie große Edelholzbäume in die Höhe.

Um durch Dynamische Agroforstwirtschaft die Ernten und das Einkommen von Bäuer*innen zu verbessern und die Qualität der Edelkakaoerträge zu sichern, wurden folgende Aktivitäten in Ecuador im Zeitraum zwischen 2020 und 2023 mit einem Budget von rund 3,4 Millionen Euro umgesetzt:

  • Einführung einer neuen Organisationsstruktur der UNOCACE- Kleinbäuer*innenorganisation
  • Schulungen des UNOCACE-Personals zum Anlegen von DAF-Parzellen mit Edelkakao
  • Installation und Monitoring von DAF-Parzellen
  • Förderung und Verbreitung von DAF durch Workshops, Feldschulen und Erfahrungsaustausch zwischen Produzent*innen

Die GIZ unterstützte bei der Einführung der neuen Organisationsstruktur, der Evaluation der bestehenden Strukturen und dem Aufsetzen eines Business-Plans. HALBA unterstützte bei der Installation und dem Monitoring der neuen DAF-Parzellen und der Zertifizierung des Projekts mit dem Gold-Standard zur CO2-Kompensation.

Bäuer*innen pflanzen in Dynamischen Agroforstsystemen nicht nur Edelkakao, sondern beispielsweise auch Maniok oder schattenspendende Fruchtbäume und Edelhölzer an. Das ergänzt sich und hält die Böden fruchtbar. Wir können jetzt mehr Edelkakao in besserer Qualität beschaffen, und die Bäuer*innen erzielen ein höheres Einkommen.
Marcel Weber, Leiter Supply Chain Management & Einkauf, HALBA
Die kostbaren Arriba Nacional Kakaobohnen werden nach der Ernte getrocknet und fermentiert
Die kostbaren Arriba Nacional Kakaobohnen werden nach der Ernte getrocknet und fermentiert. Foto: © GIZ
Die Setzlinge der Sorte Arriba Nacional werden vorsichtig aufgezogen, bevor sie in die Mischkulturen eigepflanzt werden
Die Setzlinge der Sorte Arriba Nacional werden vorsichtig aufgezogen, bevor sie in die Mischkulturen eigepflanzt werden. Foto: © HALBA - Division der Coop Genossenschaft

Durch gezielte Schulungen konnten die teilnehmenden Bäuer*innen der UNOCACE DAF-Parzellen anlegen. Der Mischanbau sorgt für bessere Ernten: Der Schatten schützt die Böden und die Kakaopflanzen, das von den umliegenden Pflanzen abgeschnittene organische Material liefert als Kompost zusätzliche Nährstoffe. Die Bäuer*innen müssen nicht mehr auf Pestizide und Kunstdünger zurückgreifen, sparen dadurch Kosten, und auch die Umwelt profitiert. Die Kakaopflanze bleibt gesünder, ist widerstandsfähiger und trägt mehr Früchte. Die Bäuer*innen haben durch den Verkauf der Edelkakaobohnen, aber auch der Nebenprodukte, beispielsweise Bohnen, Koch- und Fruchtbananen, Avocados oder Maniok, ein höheres Einkommen. Positiver Begleiteffekt: Die Nebenprodukte kommen einer ausgewogenen Ernährung zugute. Auch schlossen sich neue Produzent*innen der UNOCACE an und profitieren nun ihrerseits von den Vorteilen.

Die Mischkultur fördert die biologische Vielfalt und trägt zum Erhalt des Lebensraums bedrohter Tier- und Pflanzenarten bei. Durch die DAF forsten die Beteiligten abgeholzte Flächen wieder auf und bewahren bestehenden Regenwald vor Rodung.

Mithilfe des Projekts sichert die Schokoladenproduzentin HALBA die Qualität und Quantität der Edelkakaosorte Arriba Nacional für ihre Produkte.

  • Die Kooperative UNOCACE verbesserte die Kakaoproduktion durch den Einsatz dynamischer Agroforstwirtschaft in zehn ecuadorianischen Provinzen.
  • Knapp 600 Kleinbäuer*innen bewirtschaften Agroforstwirtschaft-Parzellen mit insgesamt 635 Hektar Fläche.
  • Alle teilnehmenden Kleinbäuer*innen steigerten ihr Einkommen.
  • 25 Trainer*innen von UNOCACE erhielten Schulungen im Kakaoanbau unter Anwendung von DAF.
  • HALBA erzielte durch das Projekt eine signifikante Qualitätssteigerung in den gelieferten Kakaobohnen.

ENTWICKLUNGSERFOLGE

Alle Bäuer*innen in der UNOCACE mit einer DAF-Anbaufläche von mindestens 1 Hektar steigerten ihr Einkommen

25 Trainer*innen verbreiten ihr erlerntes Wissen über Kakaoanbau in DAF

DAF-Parzellen brauchen weniger Pestizide und sorgen für fruchtbare Böden und mehr Biodiversität

UNTERNEHMERISCHE ERFOLGE

HALBA sichert die Qualität des Edelkakaos und steigert die Produktion

Ausweitung und langfristige Sicherung der Bezugsquellen und Lieferregionen 

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an Unternehmen, die nachhaltig in einem globalen Zukunftsmarkt investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

HALBA - Division der Coop Genossenschaft

HALBA, die Herstellerin von Schokolade, Snacks oder Koch- und Backzutaten, gehört zur Coop-Gruppe. Seit 2013 bezieht HALBA Edelkakao der Sorte Arriba Nacional von der ecuadorianischen Produzentenorganisation UNOCACE.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ (GmbH)

Als deutsches Bundesunternehmen ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH seit mehr als 50 Jahren in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und Bildungsarbeit aktiv. Sie begleitet die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung und entwickelt mit Unternehmen Strategien für nachhaltiges Wirtschaften.

Petra Heid Leiterin Nachhaltigkeit HALBA – Division der Coop Genossenschaft
Anika Helena Baronin van Haersolte
Anika Helena Baronin van Haersolte Projektmanagerin develoPPP Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH