Die Ausgangssituation
Ecuador produziert zwar nur zehn Prozent der gesamten weltweiten Kakaomenge, jedoch stammen 60 Prozent der seltenen Kakaosorte Arriba Nacional von hier. HALBA möchte die Produktion dieser ecuadorianischen Edelkakaobohne für ihre Schokoladenprodukte sichern und steigern. Denn die Schokolade aus Arriba Nacional ist in Europa wegen ihrer besonderen Geschmacksnuancen beliebt.
Allerdings ist der Anbau der Kakaopflanze schwierig, denn sie benötigt viel Schatten und nährstoffreiche Böden. Immer mehr ecuadorianische Bäuer*innen wählen deshalb robustere Sorten, sogenannten Hochertragskakao. Diese Pflanzen bauen sie in Monokultur oft großflächig an und roden dafür Gebiete im Tropenwald. Ihre Hoffnung: Je mehr Kakaopflanzen, desto höher die Erträge. Die Realität sieht jedoch anders aus. Der einseitige Anbau laugt die Böden aus und macht sie unfruchtbar. Ohne den Schatten von Bäumen oder anderen höheren Pflanzen vertrocknen die Kakaopflanzen schneller oder werden anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall. Die Pestizide und Kunstdünger, die die Bäuer*innen dagegen einsetzen, schaden den Böden zusätzlich, und belasten die Produzent*innen gesundheitlich und finanziell. Nicht zuletzt gefährden die Waldrodungen den Lebensraum von Tieren und Pflanzen in einem der artenreichsten Länder der Welt.
Projektansatz
HALBA möchte gemeinsam mit ihren Projektpartnern Coop und der GIZ die Kakaosorte Arriba Nacional für ihre Schokoladenproduktion erhalten, die artenreiche Natur Ecuadors schützen und den Lebensunterhalt der Bäuer*innen verbessern. Dafür unterstützen die Projektpartner ecuadorianische Bäuer*innen der Produzentenorganisation UNOCACE in mehreren Provinzen Ecuadors beim gemischten Anbau von Kakao, Fruchtbäumen und Edelhölzern – auch Dynamische Agroforstwirtschaft (DAF) genannt.
In einer solchen Mischkultur wächst die Arriba Nacional-Pflanze unter ähnlichen Bedingungen wie in ihrer natürlichen Umgebung im tropischen Regenwald: umgeben von anderen Pflanzen, am Boden etwa Maniokwurzeln, Mais oder Bohnen. Über die Kakaobäume ragen schattenspendende Fruchtbäume wie zum Beispiel Bananen, Orangen, Mangos und Avocado sowie große Edelholzbäume in die Höhe.
Um durch Dynamische Agroforstwirtschaft die Ernten und das Einkommen von Bäuer*innen zu verbessern und die Qualität der Edelkakaoerträge zu sichern, wurden folgende Aktivitäten in Ecuador im Zeitraum zwischen 2020 und 2023 mit einem Budget von rund 3,4 Millionen Euro umgesetzt:
- Einführung einer neuen Organisationsstruktur der UNOCACE- Kleinbäuer*innenorganisation
- Schulungen des UNOCACE-Personals zum Anlegen von DAF-Parzellen mit Edelkakao
- Installation und Monitoring von DAF-Parzellen
- Förderung und Verbreitung von DAF durch Workshops, Feldschulen und Erfahrungsaustausch zwischen Produzent*innen
Die GIZ unterstützte bei der Einführung der neuen Organisationsstruktur, der Evaluation der bestehenden Strukturen und dem Aufsetzen eines Business-Plans. HALBA unterstützte bei der Installation und dem Monitoring der neuen DAF-Parzellen und der Zertifizierung des Projekts mit dem Gold-Standard zur CO2-Kompensation.
Bäuer*innen pflanzen in Dynamischen Agroforstsystemen nicht nur Edelkakao, sondern beispielsweise auch Maniok oder schattenspendende Fruchtbäume und Edelhölzer an. Das ergänzt sich und hält die Böden fruchtbar. Wir können jetzt mehr Edelkakao in besserer Qualität beschaffen, und die Bäuer*innen erzielen ein höheres Einkommen.


Ergebnisse
Durch gezielte Schulungen konnten die teilnehmenden Bäuer*innen der UNOCACE DAF-Parzellen anlegen. Der Mischanbau sorgt für bessere Ernten: Der Schatten schützt die Böden und die Kakaopflanzen, das von den umliegenden Pflanzen abgeschnittene organische Material liefert als Kompost zusätzliche Nährstoffe. Die Bäuer*innen müssen nicht mehr auf Pestizide und Kunstdünger zurückgreifen, sparen dadurch Kosten, und auch die Umwelt profitiert. Die Kakaopflanze bleibt gesünder, ist widerstandsfähiger und trägt mehr Früchte. Die Bäuer*innen haben durch den Verkauf der Edelkakaobohnen, aber auch der Nebenprodukte, beispielsweise Bohnen, Koch- und Fruchtbananen, Avocados oder Maniok, ein höheres Einkommen. Positiver Begleiteffekt: Die Nebenprodukte kommen einer ausgewogenen Ernährung zugute. Auch schlossen sich neue Produzent*innen der UNOCACE an und profitieren nun ihrerseits von den Vorteilen.
Die Mischkultur fördert die biologische Vielfalt und trägt zum Erhalt des Lebensraums bedrohter Tier- und Pflanzenarten bei. Durch die DAF forsten die Beteiligten abgeholzte Flächen wieder auf und bewahren bestehenden Regenwald vor Rodung.
Mithilfe des Projekts sichert die Schokoladenproduzentin HALBA die Qualität und Quantität der Edelkakaosorte Arriba Nacional für ihre Produkte.
- Die Kooperative UNOCACE verbesserte die Kakaoproduktion durch den Einsatz dynamischer Agroforstwirtschaft in zehn ecuadorianischen Provinzen.
- Knapp 600 Kleinbäuer*innen bewirtschaften Agroforstwirtschaft-Parzellen mit insgesamt 635 Hektar Fläche.
- Alle teilnehmenden Kleinbäuer*innen steigerten ihr Einkommen.
- 25 Trainer*innen von UNOCACE erhielten Schulungen im Kakaoanbau unter Anwendung von DAF.
- HALBA erzielte durch das Projekt eine signifikante Qualitätssteigerung in den gelieferten Kakaobohnen.

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Projektbeteiligte


