Hafen mit Containern

Schwerpunktthema: Nachhaltige LieferkettenWeltweit nachhaltiger produzieren

Die soziale und ökologische Nachhaltigkeit von Produkten spielt für immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher eine zentrale Rolle. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit – etwa beim Import von Rohstoffen und Vorprodukten in die EU oder durch neue Berichtspflichten.

International agierende Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre global verzweigten Lieferketten noch transparenter zu gestalten, Zulieferbetriebe in Entwicklungs- und Schwellenländern zur Einhaltung internationaler Standards zu befähigen und zuletzt rasant gestiegene Risiken aktiv zu managen. Aufgrund der veränderten geoökonomischen Situation erfordert dies immer häufiger auch den Aufbau von Zulieferstrukturen in Ländern, in denen man bislang noch nicht tätig war.

Gleichzeitig bieten diese unternehmerischen Herausforderungen große Chancen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen im globalen Süden nachhaltig zu verbessern. Über das Förderprogramm develoPPP unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) daher gezielt Unternehmensinitiativen, die die soziale und ökologische Nachhaltigkeit in Lieferketten verbessern.

  • Umweltfreundliche Produktion
    Der Einsatz veralteter Technologien in Produktionsprozessen, eine unzureichende Sensibilisierung für den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen oder drohende Einkommensverluste während der Umstellung auf umweltfreundlichere Verfahren stellen erhebliche Hürden für die ökologische Nachhaltigkeit in lokalen Zulieferbetrieben dar. Über develoPPP geförderte Vorhaben setzen hier beispielsweise durch Schulungen zur nachhaltigen Nutzung von Anbauflächen, den Einsatz emissionsarmer Technologien in Produktionsbetrieben oder die Diversifizierung von Einnahmequellen an.
  • Sozialstandards und Arbeitsbedingungen
    Faire Löhne, ein sicheres Arbeitsumfeld, tragfähige Absicherungen gegen gesundheitliche und soziale Risiken, die Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten: All dies sind wichtige Bausteine sozial nachhaltigen Wirtschaftens. Um diese Aspekte zu adressieren, kann über develoPPP beispielsweise die Sensibilisierung von Führungspersonal lokaler Zulieferbetriebe, die Weiterbildung von Arbeiterinnen und Arbeitern oder der Aufbau einer lokalen Gesundheitsversorgung unterstützt werden. Zertifizierungen nach internationalen Standards können helfen, die Einkommen von Mitarbeitenden zu verbessern, indem sie lokale Betriebe international wettbewerbsfähiger machen.
  • Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung
    Je mehr Vorprodukte bezogen werden und je mehr Akteure an der lokalen Wertschöpfungskette beteiligt sind, desto schwieriger ist es, den Herstellungsprozess eines Produktes lückenlos nachzuvollziehen. Doch genau dies ist häufig Voraussetzung, um ein Produkt in der EU als nachhaltig vermarkten und damit höhere Einkommen generieren zu können. Die Vorbereitung von Zertifizierungen oder Unterstützung bei der Einführung von Lösungen zur Erhöhung der Nachverfolgbarkeit sind daher weitere Ansätze, die im Rahmen von develoPPP-Projekten verfolgt werden.
Bäuerinnen prüfen Setzlinge (Côte d’Ivoire)

CÔTE D'IVOIRE: Deutsches Handelshaus und DEG Impulse sorgen für transparente und nachhaltige Kakaolieferkette

Die Albrecht & Dill GmbH, Deutschlands führendes Handelshaus für Kakao, entwickelt im Rahmen eines develoPPP-Projekts mit der DEG Impulse eine klimafreundliche und inklusive Wertschöpfungskette. Um beispielsweise das Managment natürlicher Ressourcen zu verbessern, wurden gemeinsam mit lokalen Partnern über 2.500 Kleinbäuer*innen in drei Regionen zu klimaintelligenten Anbaumethoden geschult. Insbesondere Frauen und junge Menschen erhielten zudem Trainings zu nachhaltigen Finanzpraktiken. Digitale Rückverfolgbarkeitstools sorgen für Transparenz entlang der Lieferkette. Die Projektpartner verbessern auf diese Weise Einkommen, schaffen Jobs und machen die Kakaolieferkette insgesamt zukunftsfähig.

KENIA: Deutscher Zierpflanzenproduzent und DEG Impulse stärken verantwortungsvolle Gewächshausproduktion

Die deutsche Selecta one Gruppe stärkt gemeinsam mit der DEG Impulse ihre Lieferkette in Kenia. Im Rahmen eines develoPPP-Projekts setzt das Tochterunternehmen Selecta Kenya Qualifikationsprogramme für die nachhaltige Gewächshausproduktion um mit dem Ziel, hohe Produktqualität und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu gewährleisten. Durch die Ansiedlung neuer Produktions- und Trainingsstätten im kenianischen Hochland, die Einführung praxisnaher Studienmodule sowie die gezielte Ausbildung von Trainer*innen entstehen über 1.000 qualifizierte Arbeitsplätze mit fairen Bedingungen. Zudem erhalten Mitarbeitende und ihre Familien Zugang zu kostenfreier medizinischer Versorgung.

Hände mit Kaffeekirschen (Kenia)

KENIA: Deutsch-kenianisches Start-up und DEG Impulse skalieren digitale Lösung für transparente landwirtschaftliche Lieferketten

Das deutsch-kenianische Unternehmen eProd hat mit Unterstützung der DEG Impulse via develoPPP Ventures eine Plattform entwickelt, die Agrarunternehmen hilft, Lieferketten effizient und transparent zu steuern. Die ERP-Software organisiert Registrierung und Bezahlung von Kleinbäuer*innen, integriert Finanzdienstleister und ermöglicht Rückverfolgbarkeit vom Saatgut bis zum Endprodukt – ein entscheidendes Kriterium für internationale Märkte. Digitale IDs sichern Transaktionen und erleichtern Kreditzugang. Zudem bietet eProd (e-)Extension Services, Trainings, Monitoring für Zertifizierungen und ein Kommunikationsmodul für kostengünstige, zielgerichtete Interaktion. So stärkt eProd Transparenz, Vertrauen, Einkommen und Marktintegration.

Frauen stehen vor einer Fabrikhalle und halten Fair Trade Schilder (Indien)

INDIEN: Deutscher Bekleidungshersteller und GIZ zertifizieren erste textile Lieferkette nach dem Fairtrade Textilstandard

In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben der deutsche Bekleidungshersteller Brands Fashion GmbH und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH erstmals eine komplette textile Lieferkette, von der Faserherstellung über die Färberei und Spinnerei bis hin zur Konfektionierung, nach dem Fairtrade Textilstandard zertifiziert. Die Zertifizierung berücksichtigt neben ökologischen Aspekten auch die Sicherheit am Arbeitsplatz, die Mitbestimmung von Mitarbeitenden sowie die Einführung existenzsichernder Löhne. Die ersten Produkte, die mit dem Fairtrade Textilstandard für die gesamte Lieferkette gelabelt wurden, sind seit Oktober 2021 auf dem Markt.

Bäuerin erntet Naturkautschuk im Wald (Indonesien)

INDONESIEN: Deutscher Mobilitätszulieferer und GIZ machen Kautschuklieferkette digital rückverfolgbar

In der Vergangenheit war es unter anderem aufgrund vieler Zwischenhändler schwierig, die Naturkautschuk-Lieferkette in Indonesien vollständig zurückzuverfolgen. Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes etablierten der Mobilitätszulieferer Continental AG und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ein digitales Rückverfolgungssystem, das den Warenfluss entlang der gesamten Lieferkette aufzeigt. Durch die Einbindung lokaler Verarbeitungsbetriebe und kleinbäuerlicher Direktvermarktung wurden außerdem Strukturen geschaffen, die für zusätzliche Transparenz sorgen. Gleichzeitig profitieren die beteiligten Kleinbauer*innen von verbesserter Produktivität und höherem Einkommen.

Feldarbeiter trägt Körbe auf der Schulter (Madagaskar)

MADAGASKAR: Internationales Unternehmenskonsortium, NGO und GIZ verbessern Produktionsbedingungen im Vanillesektor

Bereits seit 2014 engagieren sich der deutsche Duft- und Geschmacksstoffproduzent Symrise AG und der Konsumgüterhersteller Unilever PLC gemeinsam mit der NGO Save the Children (STC) in mehreren Projekten mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für die Verbesserung der Anbau- und Arbeitsbedingungen entlang ihrer Vanillelieferketten. Kleinbauern und -bäuerinnen werden beispielsweise in nachhaltigen Anbaumethoden geschult, um Ertrag und Qualität der Vanille zu erhöhen und ihre Einnahmequellen zu diversifizieren. 5.000 Familien profitieren zudem von einer über das Projekt unterstützten Krankenversicherung. Zusätzlich werden Aufklärungskampagnen zu Gesundheit, Hygiene, Ernährung und Kindeswohl durchgeführt.

Zwei Personen in einer Lagerhalle

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

Junge Menschen diskutieren während einer Unternehmensbesprechung

develoPPP Ventures

develoPPP Ventures richtet sich an junge Unternehmen mit innovativem Geschäftsmodell, die in einem Entwicklungs- oder Schwellenland aktiv sind und bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen. Im Rahmen eines Matching-Funds Modells ist eine öffentliche Wachstumsinvestition von 100.000 Euro möglich.

Hans-Joachim Hebgen
Hans-Joachim Hebgen Senior Berater Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
Daniel Thomann
Daniel Thomann Programmkoordinator DEG Impulse gGmbH
Anja Meinecke
Anja Meinecke Programmkoordinatorin Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Jonas Naguib
Jonas Naguib Programmkoordinator Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH