Schwerpunktthema: FachkräfteWeltweit qualifizierte Mitarbeitende finden und entwickeln

Arbeitskräfte aus Entwicklungs- und Schwellenländer stehen in globalisierten Wertschöpfungsketten oftmals vor besonderen Herausforderungen: Ihre fachlichen Qualifikationen passen nicht immer exakt zum Anforderungsprofil der einstellenden Unternehmen, sprachliche oder kulturelle Kenntnisse fehlen oder eine Einstellung scheitert an einem suboptimalen Matching zwischen potenziellen Bewerber:innen und Arbeitgebern. Auch komplexe Visums- und Anerkennungsverfahren oder unsichere Arbeitsbedingungen erschweren ihren Eintritt in den globalen Arbeitsmarkt.

Über das Förderprogramm develoPPP unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Unternehmensinitiativen, die die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitskräften in Entwicklungs- und Schwellenländern erhöhen und zu einer fairen, für alle Seiten vorteilhaften Rekrutierung beitragen – etwa durch fachliche Schulungen, Weiterbildungen zu rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeitsmigration und Zertifizierung, die Vermittlung von Softskills oder die Verbesserung von Rekrutierungsmechanismen vor Ort. Unternehmen können durch ihre Teilnahme an derartigen Initiativen ihre Arbeitgeberattraktivität erhöhen und neue Fachkräfte für sich gewinnen. 

  • Fachliche Qualifizierungslücken
    Ein Mangel an adäquat ausgebildeten Fachkräften bremst unternehmerischen Erfolg und wirtschaftliche Entwicklung gleichermaßen. Dabei geht es nicht nur um fachliche Kenntnisse, sondern beispielsweise auch um das Wissen um zertifizierungsrelevante Sicherheits- und Umweltnormen oder Softskills für die Arbeit in internationalen Kontexten. Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in diesen Bereichen tragen zu lokaler Wettbewerbsfähigkeit bei und erhöhen die allgemeine Beschäftigungsfähigkeit von Menschen vor Ort. Viele develoPPP-Projekte setzen genau hier an: Durch passgenaue Qualifizierung und die Verankerung von aktuellem, praxisorientiertem Wissen in lokalen Berufsbildungsprozessen erlernen Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern Kompetenzen für die Arbeit in globalen Wertschöpfungsketten und / oder die Arbeit im Ausland.
  • Bewerber:innen und Unternehmen kommen nicht effizient zusammen 
    Für erfolgreiche Bewerbungs- und Einstellungsverfahren in oder aus Entwicklungs- und Schwellenländern braucht es funktionierende Rekrutierungswege. In der Praxis gibt es hier häufig Verbesserungsbedarf: Es fehlt an geeigneten lokalen Netzwerken und Partnern wie beispielsweise international ausgerichteten Berufsschulen oder vertrauenswürdigen Vermittlungsagenturen. Arbeitsmärkte sind teilweise informell organisiert und damit intransparent. Das Matching von geeigneten Bewerber:innen und Unternehmen wird so erheblich erschwert. Auch an diesem Punkt können develoPPP-Vorhaben ansetzen, etwa indem sie über lokale Partnerschaften für Transparenz im Rekrutierungsprozess sorgen, faire Fachkräftemigration fördern oder innovative Finanzierungsmodelle pilotieren.
     

ÄGYPTEN: Fachakademie schließt Qualifikationslücken im Energiesektor

Ägypten setzt verstärkt darauf, die Energieressourcen des Landes aktiv zu nutzen und Strom in die Nachbarländer der Region sowie nach Europa zu exportieren. Gleichzeitig fehlen qualifizierte Fachkräfte, um den steigenden Bedarf der Energiebranche zu decken. Die Siemens Energy AG und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH begegneten dieser Herausforderung mit dem Aufbau der Deutsch-Ägyptischen Fachakademie (Egyptian German Technical Academy, EGTA). Dort wurden von 2017 bis 2024 mehr als 6.000 Fachkräfte in industriespezifischen Bereichen der Energietechnologie, industrieller Automatisierung und Schweißtechniken qualifiziert und gezielt auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbereitet.

Applaus bei der Abschlussfeier des Ausbildungsprogramms von MASS.Build.Ltd. und GIZ in Ruanda

RUANDA: Ausbildung für boomende Bauindustrie

In den letzten Jahren erlebte Ruanda einen Boom bei Bauprojekten. Jedoch stellt der erhebliche Fachkräftemangel eine Herausforderung für lokale Unternehmen dar. Das ruandische Bauunternehmen MASS.Build Ltd. und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH begegneten diesem Problem  mit einem praxisorientierten und staatlich zertifizierten Ausbildungsprogramm. Gemeinsam qualifizierten die Projektpartner knapp 600 Auszubildende – davon über 200 Frauen – in den Handwerken Maurerei, Tischlerei, Klempnerei und Schweißerei sowie in Arbeitsschutznormen.

Simulierte Entbindung mit Patientensimulator von Laerdal in Nepal.

NEPAL: Simulationsbasiertes Lernen in der medizinischen Ausbildung

Um die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Nepal zu senken, kooperierte die indische Tochtergesellschaft von Laerdal Medical mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Gemeinsam integrierten sie simulationsbasiertes Lernen in die Ausbildung von Hebammen und weiterem medizinischen Fachpersonal. Durch den Einsatz moderner Patientensimulatoren in der Ausbildung können Behandlungsfehler vermieden werden. Hieraus resultieren eine verbesserte Gesundheitsversorgung für Mütter und Säuglinge, der Zugang zu qualifiziertem Fachpersonal sowie neue Märkte für medizinische Produkte und Dienstleistungen.

Sie möchten Fachkräfte in einem globalen Zukunftsmarkt aus- oder weiterbilden und fair rekrutieren? Dann informieren Sie sich jetzt über Ihre Fördermöglichkeiten!

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an Unternehmen, die nachhaltig in einem globalen Zukunftsmarkt investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

Ulrich Boysen
Ulrich Boysen Senior Berater Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
Hans-Joachim Hebgen
Hans-Joachim Hebgen Senior Berater Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
Daniel Thomann
Daniel Thomann Programmkoordinator DEG Impulse gGmbH
Anja Meinecke
Anja Meinecke Programmkoordinatorin Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Jonas Naguib
Jonas Naguib Programmkoordinator Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH