Indien Deutscher Technologiekonzern verbessert Berufsausbildung zu innovativen Technologien in Indien

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Digitale und nachhaltige Technologien wie E-Mobilität, Smart-City-Konzepte und Lösungen für grüne Energie sind in Indien gefragt wie nie zuvor. Allerdings bieten sie nicht nur Chancen für das Land, sondern auch für deutsche Unternehmen. Doch gerade Industrieunternehmen insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen passend qualifizierte Fachkräfte – trotz wachsender Bevölkerung und vieler junger Menschen, die auf den indischen Arbeitsmarkt drängen. Genau dieses Potenzial möchte Siemens nutzen. In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützte das Unternehmen im Rahmen des Förderprogramms develoPPP des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die praxisnahe Weiterbildung von Fachkräften, um Qualifizierungslücken gezielt zu schließen. Zwischen 2020 und 2024 implementierten die Projektpartner ein duales Ausbildungsprogramm an 127 staatlichen Berufsschulen in elf indischen Bundesstaaten. Inspiriert von der deutschen dualen Berufsausbildung ermöglicht das Programm den Auszubildenden, sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Berufserfahrung zu erwerben, wodurch Absolvent*innen bessere Beschäftigungschancen in wichtigen Schlüsselbranchen erhalten. Gleichzeitig können Unternehmen wie Siemens und ihre Zulieferer nun auf sehr gut qualifizierten Nachwuchs zurückgreifen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit in diesem für sie interessanten Wachstumsmarkt stärken.

Indiens Industrie wächst rasant, was das Land zu einem attraktiven Standort für ausländische Unternehmen macht. Vor Ort produziert und vermarktet beispielsweise die deutsche Siemens AG mit seiner Tochtergesellschaft Siemens Ltd. Innovationen u.a. in den Bereichen erneuerbare Energien, E-Mobilität, Energieeffizienz und Smart City-Konzepte. Jedoch steht das Unternehmen – wie viele andere Firmen in Indien – vor einer großen Herausforderung:

Obwohl jedes Jahr mehrere Millionen junge Inder*innen auf den Arbeitsmarkt strömen, mangelt es an passend qualifizierten Arbeitskräften. Zwar gibt es staatliche Berufsschulen, so genannte Governmental Industrial Training Institutes (ITI), die technische Ausbildungsprogramme anbieten. Jedoch werden die dort vermittelten Fähigkeiten den schnellen technologischen Entwicklungen häufig nicht gerecht. Neben fehlendem Wissen zu aktuellen, innovativen Technologien fehlt es Auszubildenden an Einblicken in die tatsächliche Berufspraxis. Dadurch bleiben jungen Menschen Berufschancen in wichtigen Zukunftssektoren verwehrt und Unternehmen können die bestehenden Wachstumspotenziale nicht adäquat ausschöpfen.

Um die beruflichen Chancen junger Arbeitnehmer*innen zu erhöhen und dadurch auch unternehmerische Wachstumshemmnisse im indischen Markt abzubauen, führten Siemens und die GIZ zwischen 2020 und 2024 gemeinsam ein Projekt durch, mit dem Qualifizierungslücken gezielt geschlossen werden sollten. Dabei ging es insbesondere darum, Auszubildenden Kenntnisse der neuesten Technologien sowie deren praktisches Anwendungs zu vermitteln.

Um die Projektziele zu erreichen, wurden mit einem Budget von rund 2,9 Millionen Euro folgende Aktivitäten in elf indischen Bundesstaaten gefördert:

  • Unterstützung der Ausbildungsprogramme durch praktische Elemente wie Industriepraktika an 127 staatlichen Berufsschulen (ITI)
  • Einbindung lokaler kleiner und mittlerer Unternehmen in die praktischen Einheiten des Ausbildungsprogramms
  • Schulung von Lehrkräften an den ITI und von Mentor*innen in den Unternehmen

Die GIZ unterstützte unter anderem bei der Entwicklung und Digitalisierung des Materials zur Weiterbildung der Lehrkräfte an den Berufsschulen und deren Durchführung. Zudem wirkte die GIZ bei der Konzeption der Schulungsmaßnahmen und der Evaluation mit.

Indiens Produktions- und Industrieökosystem benötigt einsatzbereite Fachkräfte mit ausgeprägten praktischen Fähigkeiten, Disziplin und effizienten Arbeitsweisen. Aufbauend auf dem deutschen dualen Berufsausbildungsmodell kann dies erreicht werden, indem die Pädagogik und die Ausbilder der Industrial Training Institutes' gestärkt werden und die Industrie aktiv durch On-the-Job-Training eingebunden wird.
Dr. Anantharaman Subramaniyan, Vizepräsident, Siemens Ltd., Leiter Strategie, Nachhaltigkeit und CSR
Auszubildende an einem Berufsbildungsinstitut. Foto: © GIZ Indien
Schulung an einem Berufsbildungsinstitut. Foto: © GIZ Indien

Im Rahmen des Projekts erarbeiteten Siemens und die GIZ ein neues Curriculum, das den Anforderungen zukunftsorientierter Branchen wie erneuerbare Energien, E-Mobilität und Smart Cities durch die Vermittlung von grünen Kompetenzen entspricht. Lehrkräfte und Mentor*innen durchliefen Schulungen, in denen sie neuestes Wissen zu aktuellen Technologien in diesen Branchen erlangten, das sie mithilfe neuer pädagogischer Methoden an Auszubildende weitergeben. Wichtige praktische Fähigkeiten erhalten die Auszubildenden in lokalen kleinen und mittleren Unternehmen. So bereitet Siemens den Weg für mehr qualifizierte Fachkräfte im Land, zum Beispiel in den Berufen Elektriker*in, Monteur*in, Elektronikmechaniker*in, Dreher*in oder Maschinist*in. Dank der Kombination aus Theorie und Praxis sind sie für die zukünftige Arbeit im wachsenden indischen Markt gerüstet.

  • 127 Berufsschulen in elf Staaten pilotierten den neuen Lehrplan
  • Über 11.000 Auszubildende haben eine praktische Ausbildung in lokalen Betrieben absolviert  
  • Über 800 Berufsschullehrer*innen und über 780 Mentor*innen in teilnehmenden Unternehmen erlangten neues technisches und pädagogisches Fachwissen
  • 30 Prozent der Absolvent*innen entschieden sich nach der Ausbildung für zusätzliche Weiterbildungen, zum Beispiel an Universitäten
  • 31 Prozent der Absolvent*innen haben eine feste Anstellung gefunden

Aufbauend auf diesem Erfolg weiten Siemens Ltd. und die GIZ in einem Nachfolgeprojekt den Projektansatz auf weitere Berufsschulen aus und legen dabei einen besonderen Fokus auf die Förderung von weiblichen Auszubildenden. 

develoPPP Classic

develoPPP Classic richtet sich an Unternehmen, die nachhaltig in einem globalen Zukunftsmarkt investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Geeignete Projekte werden fachlich und finanziell mit bis zu zwei Millionen Euro öffentlicher Förderung unterstützt.

ENTWICKLUNGSERFOLGE

Verankerung von aktuellem Fachwissen zu innovativen Technologien kombiniert mit Praxiserfahrung im indischen Bildungssystem

Neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachkräfte

UNTERNEHMERISCHE ERFOLGE

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit dank qualifizierter Fachkräfte 

Gewinnung von Fachkräften für produzierende Unternehmen und Zulieferer

Siemens Ltd.

Die Siemens AG bietet weltweit Lösungen für Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung in den Bereichen Infrastruktur, Fertigung, Transport und Dienstleistungen. Mit der Tochtergesellschaft Siemens Ltd. produziert und vermarktet der Konzern seine Produkte in Indien.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Als deutsches Bundesunternehmen ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH seit mehr als 50 Jahren in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und Bildungsarbeit aktiv. Sie begleitet die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung und entwickelt mit Unternehmen Strategien für nachhaltiges Wirtschaften.

Viktoria Schwarze Projektmanagerin develoPPP Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH