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Von der Pflanze zum Teebeutel

25.07.2017

Abaca, eine auch als „Manilahanf“ bekannte Pflanze, wird überwiegend im Hochland der Philippinen angebaut. Obwohl sie aus vielen Bereichen des Alltags nicht mehr wegzudenken ist, wird die Bedeutung der Abaca-Pflanze häufig unterschätzt. Mit ihren starken Fasern dient sie nicht nur als Ressource für Schiffstaue, Papier oder Geldscheine, sondern ist auch oftmals das, was den Tee in der Tasse zusammenhält: Der Teebeutel.

 

Trotz seiner langen Tradition ist der Abaca-Anbau bedroht. Fehlende Infrastruktur in den schwer zugänglichen Bergregionen, mangelnder Zugang zu landwirtschaftlicher Beratung, sowie fehlende Betriebsmittel und Vermarktungsstrukturen erschweren die Bedingungen für den Anbau. Hinzu kommen eine geringe Produktivität durch veraltete Anbaumethoden und Pflanzenkrankheiten, die die Abaca-Bestände befallen und den Kleinbäuerinnen und -bauern Einkommensausfälle bescheren.

 

Die 1864 gegründete Firma Glatfelter ist der weltweit führende Hersteller von Teebeutelpapier – sechs von zehn Beuteln weltweit stammen von dem international agierenden Unternehmen. Damit ist Glatfelter zugleich der größte Abnehmer von philippinischen Abaca-Fasern. Um langfristig Anbau und Lieferung der Pflanze zu sichern, rief die deutsche Konzerntochter Glatfelter Gernsbach GmbH gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die Abaca Nachhaltigkeitsinitiative ins Leben – möglich gemacht durch das Programm develoPPP.de. Mit an Bord waren die Philippine Fiber Industry Development Authority als verantwortliche Behörde des Agrarministeriums sowie die Rainforest Alliance, die nachhaltige Landwirtschaft zertifiziert.

 

Im Rahmen der Initiative entwickelte das Konsortium ein umfassendes Lehrangebot und schulte die Abaca-Bäuerinnen und -Bauern unter anderem in nachhaltigem Anbau und professioneller Vermarktung der Fasern. Zudem wurden rund 60 Agrarberater ausgebildet, die Kleinbäuerinnen und -bauern landesweit bei der Erlangung und Umsetzung von Nachhaltigkeitszertifizierungen unterstützen. Glatfelter stellte außerdem modernste Maschinerie bereit, mit deren Hilfe der Prozess der Fasergewinnung qualitativ und quantitativ optimiert werden konnte – ein wichtiger Schritt: „Unsere Bauern werden älter“, erklärt Rubenie Castillanes, Vorstand der Abaca-Bauernvereinigung KAPAWA. „Die Einführung neuer Maschinen für die Faserextraktion ist für sie ein Durchbruch. Jetzt können auch Frauen an der eigentlich körperlich so anstrengenden Arbeit teilhaben, und anstatt 10kg können nun bis zu 120kg Fasern pro Tag produziert werden.“

 

Rund 150 ha kleinbäuerlicher Anbauflächen sind inzwischen von der Rainforest Alliance in der Projektregion zertifiziert. Und auch wirtschaftlich läuft es rund: Im ersten Quartal 2016 stieg der Verkauf in der Projektregion Maasin, Iloilo um 200 Prozent an. Einige Landwirte berichteten sogar, dass sie ihr Einkommen um rund 150 Prozent steigern konnten – eine Zahl, die alle Erwartungen übertrifft. Grund dafür ist auch der höhere Preis, den Glatfelter für die von der Rainforest Alliance zertifizierten Abaca-Fasern zahlt. Das Fazit der Firma fällt positiv aus: „Die Zusammenarbeit mit der GIZ brachte Vorteile für beide Seiten“, findet Dr. Bernd Seger, der bei Glatfelter für das Faser Management verantwortlich ist. „Wir fühlen uns vor Ort definitiv präsenter und besser aufgestellt, einen ökologisch nachhaltigen Anbau der Abaca-Faser langfristig zu sichern. Damit können wir unseren Kunden letztendlich ein hochwertiges, nachhaltigeres Produkt anbieten.“